Logbuch der Bordkameradschaft

Tender-Rhein-A58

Eintrag Nr.: 006, Bamberg, den 11.+ 12.06.2010

Liebe (Beulen) Tender-Rhein Fahrer,

endlich nach 364 Tagen, 23 Stunden, 59 Minuten und 14,3365 Sekunden (grob geschätzt) war es am 11.06.2010 wieder soweit.

Das jährliche Bordtreffen der ehemaligen Tender-Rhein Fahrer stand an.

Ziel des diesjährigen „Auslandshafens“ war die schöne alte fränkische Kaiser- und Bischofsstadt Bamberg (bambergisch: Bambärch ).

Auch sei hier erwähnt, dass Bamberg (Umland) die Heimathäfen von unserer lieben Kameraden Karl-Heinz „Schuffke“ (Schuppke) und Willi Wölker sind.

Quartier wurde im etwas abseits gelegenen Centerhotel „Main-Franken“ bezogen.

Nachdem alle Kameraden so gegen 15:00 Uhr eingelaufen, Spinde eingeräumt und Kojen klargemacht waren, kam der Befehl „Landgang bis 16:00 Uhr“.

Was sich gleich zwei Besatzungsmitglieder, Maik Wistuba und Gerhard Wölfelschneider, zu Nutze machten, um das berühmt berüchtigte „Schlenkerla“ Bier (ein dunkles, wie Teer aussehendes und nach Schinken schmeckendes Etwas) zu testen und nach mittelalterlicher Sitte, dieses Bier hinter die Halsbinde zu gießen und langsam in den Innenraum des menschlichen Körpers fließen zu lassen (daher auch der Spruch: Hinter die Binde gießen).

Gegen 16:00 Uhr (einige früher andere später) trat die Besatzung am Oberdeck des Biergartens Mahr´s Bräu zur Standprobe an.

Nachdem unser Oberversorger OG i.R. Karl-Heinz Schuppke eine kurze Ansprache zum diesjährigen „Auslandseinsatz“ abgegeben hatte, wurden die weiblichen Pantry´s (Kellnerinnen) angewiesen, dass von ihm gespendete Freibier (50 Liter!) in handliche Krüge zu füllen, in Umlauf zu bringen und auf die Back´s zu stellen.

Als Gast des Bordtreffens durfte auch H. Schikora begrüßt werden, der einer fremden, unbekannten seefahrenden Einheit namens „Zerstörer Bayern“ angehörte, dessen Zugehörigkeit zum 3. Schnellbootgeschwader nicht nachgewiesen werden konnte, war jedoch herzlich willkommen und wird immer ein Platz bei uns frei haben.

Nach einiger Zeit wurden auch die zwei verschollenen Kameraden Maik Wistuba und Gerhard Wölfelschneider, durch einen Ureinwohner Bambergs aufgebracht und mit einem Kutter (Taxi) zur Standprobe verholt.

Wohlwissentlich des Fehlverhaltens, konnte jedoch durch Strammstehen und niedergeschlagenen Augenlidern, ein Disziplinarverfahren verhindert werden.

Auch diese Jahr hatte Reinhard Mohn seine Klampfe (hochdeutsch: Gitarre) dabei und ging auch sogleich über, Seemannslieder wie „Heute an Bord, morgen…“; „Wir lagen vor Madagaskar…“; über „Rolling Home…“; What shall we do with the drunken Sailor…“ bis hin zu „Ein Prosit der Gemütlichkeit“, zu spielen.

Natürlich durfte das vom letzten Jahr verstorbenen Helmut Feist eigens komponierte „Tenderlied“ nicht fehlen.
Was manche „Fremdbesucher“ (Gäste des Biergartens) an Oberdeck dazu bewegte heimlich im Gedanken mitzusummen oder gar mitzuschunkeln.
Geraume Zeit später, wohl durch Zunahme alkoholischer Getränke bewirkt, konnte man Diskrepanzen hinsichtlich der „eigenen“ Textgestaltung der Lieder und Stimmlagenveränderungen der Besatzungsmitglieder verzeichnen.

Der mit angereiste Jürgen Klein´s Sohn Dirk, der sich als echter Mariner entpuppte, erfreute sich sichtlich darüber.

Gegen 23:30 bliesen die weiblichen Pantry´s zum letzten Gefecht und eine feucht- fröhliche, mit Gesang und viel Gelächter
durchzogene Standprobe wurde durch „Schotten dicht“ beendet.

Nachdem am nächsten Tag das Frühstück eingenommen wurde, einige Besatzungsmitglieder mit müdem und verklärtem Blick, hieß es Antreten zur Stadtbesichtigung, Leinen los um 09:45 Uhr.

Zwischenzeitlich war auch Besatzungsmitglied Frank Mühlböck angekommen, der durch persönliche Umstände erst in der Nacht zum 12.06.2010 anreisen konnte.

Übernahme der Lotsen („einer“ weiblich, einer männlich) war die Barockkirche St. Martin.

Nach Aufteilung in zwei Gruppen von je 17 Teilnehmer/Innen ging es „ohne Tritt Marsch“ zur Bamberger-Bier-Erlebnis-Tour, Dauer insgesamt 3 Stunden.

Die Besichtigung führte durch die aus den vergangenen Jahrhunderten erhalten aussehende Altstadt; das im 15. Jahrhundert errichtete alte gotische Rathaus; weiter zu „Klein-Venedig (hübsche, kleine, mit Blumen bestückte und bunt angemalte, direkt am Wasser gelegene Häuschen); den Rosengarten über den Bamberger Dom mit der alten Hofhaltung bis hin zur größten jüdischen Straße Europas.

Zu diesem Zeitpunkt (Knapp Eineinhalb Stunden nach Lotsenübernahme) ging ein Raunen durch die Besatzung und es wurde dem Lotsen gemeldet, dass wegen Flüssigkeitsmangel, eine Meuterei mit anschließendem Kielholens des Lotsen, nicht mehr auszuschließen sei.

Ungeachtet dessen wurde letztendlich durch eine Kursänderung des Lotsen, zum gemeinsamen Treffpunkt der Gruppen,
die Meuterei im Keime erstickt.

Treffpunkt der Gruppen war die urige, in einem historischen Fachwerkflügel gelegene Gaststätte Alt-Ringlein,
die fränkische Spezialitäten der Region, sowie Bamberger Biere anbietet.

Zur Bamberger-Bier-Erlebnis-Tour gehörte die Verköstigung einer fränkischen Spezialität (Bamberger Zwiebel), sowie die Probe von Drei Bamberger Biersorten (Hell, Weizen, Schlenkerla =>Zur Erinnerung: ein dunkles, wie Teer aussehendes und nach Schinken schmeckendes Etwas).

Untergebracht war die Besatzung in einem kleinen netten Biergarten, was nach Meinung mehrerer Besatzungsmitglieder noch das angenehmste war.

Weitere Ausführungen über diese „Verköstigungen“ können vom Logbuchführer nicht verantwortet werden, da hier Voreingenommenheit besteht und er sich der Gefahr der Strafverfolgung aussetzen würde.

Nach der Verköstigung war „Freier Landgang“ bis zum offiziellen Bordtreffen an Oberdeck des Biergartens Mahr´s Bräu.

Es bedarf keiner Worte wie die Besatzungsmitglieder Maik Wistuba, Frank Mühlböck und Gerhard Wölfelschneider ihren Landgang bestritten, da sich in unmittelbarer Nähe das „Schlenkerla“ (ein dunkles, wie Teer…..) befand.

Der offizielle Teil des Bordtreffens begann mit einer Ansprache von Karl Heinz Schuppke und anschließender Schweigeminute zum Gedenken an unseren lieben Kameraden Helmut Feist, der im Oktober letzten Jahres plötzlich verstorben ist.

Wie am Vortag nahm auch diesmal Reinhard Mohn seine Gitarre zur Hand, spielte und sang die uns nun bekannte Lieder.

Unterstützung zur Gitarre bekam Reinhard Mohn von Werner Becker, der seiner Trompete die schönsten Töne entlockte.

Beide boten ein perfektes Zusammenspiel und sorgten für eine grandiose Stimmung die den ganzen Abend anhielt und jeder, auch die „Fremdgäste“, durch Mitgesang so weiter verbreitete.

Das letzte Gefecht wurde auch diesmal von den weiblichen Pantry´s gegen 24:00 Uhr geträllert.

So endete das offizielle, gut gelungene und fröhliche Zusammensein der Bordgemeinschaft der ehemaligen Tender Rhein Fahrer des Jahres 2010, wieder mit den Worten „Schotten dicht“ bis zum 17. Juni 2011 in Bremerhaven zum 50. jährigen Jubiläum der Indienststellung Unserer geliebten Beule „genannt Tender Rhein“.

Gerhard Wölfelschneider, Logbuchfüher, Darmstadt, den 22.06.2010