Name und Bordzeit : Albert Rimmel, 1961 bis 1965,
3. Besatzungsmitglied der Erstbesatzung vom Tender Rhein A58.
Fachrichtung und Dienstgrad : 21er, Funk-Maat.

Wohnort : 24960 Glücksburg

E - Mail : mail@tender-rhein-a58.de

Auszug aus der Niederschrift von Albert Rimmel: Erinnerungen an meine Zeit auf "Tender Rhein".

Die nächste Auslandsreise ging nach Edinburgh (Schottland)!
Am 09.09.1964 vermutliches Auslaufen Flensburg
Einlaufen Edinburgh 16.09.64
Ankunft Helgoland vermutlich 21.09.64


Leider kann ich mich nicht mehr genau erinnern wie die Reise verlief deshalb versuche ich aus meiner Erinnerung,
so gut wie möglich, zu schreiben. Nach dem Auslaufen ging vorläufig alles seinen normalen seemännischen Gang.
Dann jedoch, mitten auf hoher See, schon in der Nähe der schottischen Gewässer, geschah ein bisher auf dem Tender noch nicht vorgekommenes Ereignis. Ein Gefreiter hatte sich im Lüftungsschacht erhängt.
Aus dem Abschiedsbrief ging hervor, dass es aus familiären Gründen geschah.
Wir waren alle sehr betroffen und betrübt.
Die Leiche wurde in eine Persenning eingewickelt und an Oberdeck fest Verzurrt. Als Funker musste ich vom Flottenkommando Instruktionen anfordern. Der Plan war, dass wir wieder umkehren sollten um „Deutsche Gewässer anzufahren.
Dort sollten dann 2 HU-16 Albatros (Amphibienflugzeug) die Leiche abholen.
Inzwischen waren 2 Tage vergangen und die Betroffenheit der Besatzung klang ab und drehte ins Gegenteil.
Viele waren sauer, dass wir kehrtmachen mussten und eventuell der Edinburghbesuch ausfallen könnte.
Als die 2 Maschinen ankamen waren wir sehr gespannt, wie das alles ablaufen würde. Bei 6-7 Windstärken landeten sie in der aufgewühlten See. Nun begann die verwegene Rettungsaktion.
Ein Leutnant, 2 Matrosen und die verschnürte Leiche wurden in ein stabiles Schlauchboot verfrachtet. Das Schlauchboot wurde mit einem langen Tampen gesichert und von uns langsam mit Unterstützung von den paddelnden Matrosen (der Leutnant hielt die Leiche fest), zu den sehr stark wackelnden Flugzeugen gelots. Jedoch, wie das der Teufel es wollte, kenterte das Boot und der Leutnant mit der Leiche und die Matrosen hielten sich verzweifelt am Boot fest, das wir schnell wieder zurück holten.
Gott sei Dank ist dies Manöver gut ausgegangen und die Männer mit der Leiche wurden wieder an Bord geholt.
Die Schiffsfiihrung musste sich ein anderes Rettungsmanöver überlegen.
Sehr interessant war zu beobachten wie die 2 Flugzeuge verzweifelt versuchten bei dem herrschenden Seegang zu starten.
Sie haben bestimmt 3 bis 4 Startraketen benötigt bis sie endlich abheben konnten.
Danach bekamen wir vom Flottenkommando die Anweisung, in Nähe Helgoland, die Leiche einem Rettungsschiff zu übergeben.
Dies geschah dann auch ohne weiteren Zwischenfall.
Nun war der Weg frei für Edinburgh.