Die Systemunterstützungsgruppe
(SUG)


Verfasst von Kapitänleutnant Götz-Peter Rahe.

Als Anfang der siebziger Jahre Anlagen und Geräte neuerer Technologien auch auf kleineren schwimmenden Einheiten der Marine zur Anwendung kommen sollten, musste von der bis dahin angewendeten Instandhaltung-/Instandsetzungspraxis abgegangen werden. Bis dato war es üblich, dass Bediener im Rahmen
ihrer Möglichkeiten, Fehlerbehebungen selbst vornahmen oder die in den Bootsgeschwadern vorhandenen Stabs-Meister (Elo-Mstr, Mot-Mstr, Ari-Mstr usw)
zur Hilfe herangezogen wurden. War dies aufgrund fehlender Kenntnisse, nicht vorhandener Mess- und Prüfmittel oder fehlender Ersatzteile nicht möglich,
musste zwangsläufig Fremdhilfe,
oft in Verbindung mit Hafen- oder Arsenalliegezeit in Anspruch genommen werden.
Die Forderung einer hohen operationellen Verfügbarkeit der komplexen Systeme dieses neuen Technologiestandards im Einsatzgebiet ließ erkennen, dass
dieses Ziel mit dem bis dahin gültigen Instandsetzungskonzept nicht zu erreichen war.
Für die Schnellbootgeschwader wurde die Aufstellung einer
querschnittlichen, fachbe
zogen speziell ausgebildeten Gruppe angeordnet.
Das 3. Schnellbootgeschwader wurde mit der Durchführung eines 2 jährigen Truppen-versuchs beauftragt.


Gruppenbild aus den ersten Jahren

Disziplinar dem Tenderkommandanten unterstellt, bildete die knapp 30 Mann starke Gruppe auf dem Tender die 4. Division.
Die erste inoffizielle Bezeichnung lautete Tender-Wartung-Team. Nach mehreren Namenswechseln blieb es bei: SUG.
Im Rahmen des Personal-Austausch-Programmes mit der US-Navy erhielt die Gruppe Verstärkung durch einen Chief.


Kapitänleutnant Götz-Peter Rahe
Mir wurde die
Leitung der
aufzustellenden
Gruppe
übertragen.
 

Zunächst erfolgte der Umbau des Tenders in einer längeren Werftliegezeit. Da die Komponente Torpedo im neuen Geschwader nicht mehr vorhanden sein
würde, lag der Umbauschwerpunkt im Wesentlichen in diesem betreffenden Bereich, es entstanden Werkstätten, Ersatzteillager, Munitionslager mit Fahrstuhl
und Unterkünfte.
Parallel dazu lief für Offz und PUO`s die Ausbildung an, fast ausschließllich bei den Herstellerfirmen im In- und Ausland und oftmals in reiner Theorie, da die entsprechende Hardware wegen der noch geringen Stückzahl für Schulungszwecke nicht zur Verfügung stand.


Die Gliederung der Gruppe sah 5 Trupps vor, dies waren im Einzelnen:

•  Der Trupp Führungsmittelelektronik, zuständig für Fernmelde-, Navigations- und Ortungsanlagen.


Reparatur einer Kreisel-Kompass-Tochter

Hochspannungsmessung im Navigationsradar

Laufgeräusche im Antennengetriebe

•  Der Trupp Überwasserwaffenelektronik, zuständig für Führungs- und Feuerleitanlagen, die Flugkörperanlage und das Führungssystem.


Fehlersuche in der Anlage

Fehleranalyse anhand von Stromlaufplänen
 

•  Der Trupp Überwasserwaffentechnik, zuständig für alle Rohrwaffen, Täuschmittel- und Täuschkörperwurfanlagen.


Fehlersuche an 40 mm Geschütz

•  Der Trupp Schiffstechnik, zuständig für Schiffsantriebs- und Vortriebstechnik, Schiffsicherungsanlagen und -geräte, sowie den gesamten Schiffskörper.


Arbeiten an schwer zugänglichen Stellen

Schweißarbeiten in der Mechanikwerkstatt
 

•  Der Trupp Schiffselektrotechnik, zuständig für alle Anlagen der Energieerzeugung, Überwachung, Umformung und Verteilung, sowie Klima- und Lüftungsanlagen.


Fehlersuche am Maschinentelegraphen
Ergänzt wurde die Gruppe durch einen Materialbewirtschaftungsbootsmann und einen Stabsdienstmaaten zur Erledigung der Administration.

Der Versorger in seinem Bereich

Eine Forderung des Truppenversuchs SUG war die Erprobung der Mobilität von Personal und Material. Die Auslagerung von ET/AT, Sonderwerkzeug, Meß-
und Prüfgeräten vom Tender wurde schon bald zur Routine.
Für Zeiten der Abwesenheit des Tenders wurden Werkstatt- und Ersatzteilcon­tainer beschafft. So ausgerüstet wurde die Verschiffbarkeit zu Lande (Bahn und LKW), zu Wasser (Versorger, Munitionstransporter, Landungsboot) und in der Luft (Hubschrauber) mit positivem Ergebnis getestet.

Der Truppenversuch hat gezeigt, dass die Idee der SUG richtig war. Inzwischen wurde sie auch für Geschwader anderer Bootstypen verwirklicht.

Die SUG auf dem Tender in See