Geschichten und Erinnerungen, von und um den Tender-Rhein-A58.
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Dieser Eintrag stammt von Klaus-Peter Stein, Tender Rhein A58, Bordzeit: 1963-1964

August 1963, wir fahren auf dem Tender Rhein im Verband mit der Fregatte Emden unter SÜK zur Warmwassererprobung in den Süd-Atlantik.
Dabei wurden die Häfen  Gibraltar, Dakar, Monrovia, Las Palmas und Lisabon angelaufen
und während der Kaltwassererprobung der norwegische Marinestützpunkt Haakonsverne.

Die Süßkartoffel:
September 1963 von Gibraltar kommend laufen wir zur Versorgung den Hafen vom Senegal, Dakar an.
Das vordere U-Deck mit den Ari-Maaten Wudtke, Arrera und Stein, sowie den Torpedo Maaten Schwedler und Kühn machen sich landfein.
Beim ausgiebigen Bummel durch die hektische und heiße Stadt sind wir irgendwann in einer Kneipe der Altstadt gelandet, beim Bier!
Wir kamen ins Gespräch mit einem farbigen Senegalesen, der perfekt Hamburgisch sprach. Wie es sich herausstellte hatte er lange in Hamburger Hafen als Stauer gearbeitet.
Da wir wie immer klamm bei Kasse, aber unbedingt ein Mitbringsel aus dem Senegal erstehen wollten, hat er uns einige seltsame pflanzliche Knollen angeboten die sehr schöne Blüten erzeugen sollte.
Süßkartoffeln wie es sich später herausstellte. Aber wie sollten wir die Knollen konservieren, vor uns lagen noch einige Monate Seefahrt.Auch darauf wusste der gewitzte Senegalese eine Antwort:
Die Knollen gespickt mit Streichhölzchen in eine Konservendose mit Wasser. Gesagt und getan, die Dosen wurden in der Ari-Werkstatt  sorgsam aufbewahrt.
Das hatte sich natürlich an Bord herumgesprochen und einer unserer Smuts, OMaat mit Wäsche nach vorn, war ganz scharf darauf auch so ein Mitbringsel zu haben !
Mit dem Smut muss man sich gut stellen, dann hat man immer einen Schlag zusätzlich auf dem Tablett.
Die Knollen waren aber abgezählt, da war guter Rat teuer.
Wir plünderten die Kartoffellast, schöne deutsche glatt gewachsene  Knolle. In der Ari-Werkstatt wurde sie nun auf „afrikanisch“ präpariert.
Runzelig geschnitzt, Torpedoöl und Feilspänen geschwärzt mit Holzstäbchen bestückt im Döschen gewässert, damit sie nicht vertrocknet. Feierlich wurde sie unserem Freund aus der Kombüse überreicht.
Von da an hatten wir ein Leben wie die Maden im Speck, bis zum Einlaufen in Flensburg, da war unser Smut verheiratet und zu hause.
Unsere Knollen waren längst verfault und Neptun geopfert, aber die deutsche Knolle überlebte. Stolz trug er sein Mitbringsel nach hause. Seine sehr clevere Frau hat natürlich den Schwindel sofort gemerkt.
Zu unserem Glück wurden Er oder wir abkommandiert bevor er uns vergiften konnte.

Der Tender beim Einlaufen in Monrovia / Liberia.
Der Einlauftermin konnte nicht gehalten werden, da die Mannschaft der Emden an einer Infektion erkrankte und wir vor Rede in Quarantäne gingen.
Eine Barkasse der Liberianer pendelte mehrmals und endlich bekamen wir die Erlaubnis zum Einlaufen.
Der Tender bekam einen Liegeplatz an der Bong-Mine Pier zugewiesen. An Land, dicht an der Pier stand eine Schulklasse mit lauter kleinen Bimbos in Schuluniform bereit uns zu begrüßen.
Als sich der Atlantiksteven des Tender längsseits der Pier im spitzen Winkel über die Begrüßungsabordnung schob und diese verdeckte, stoben alle Kinder in panischer Angst in Deckung des nächsten Schuppen.
Das war es dann auch schon mit dem inoffiziellem Einlaufen des erste deutschen Kriegsschiffes nach 1944. Der „Deutschen Kolonie“ war abgesagt und wir machten uns in kleinen Gruppen alleine auf den Weg in die Stadt Monrovia.
Auf dem Heimweg überholte uns ein deutscher Munga-Jeep und hielt an. Ein Forstbeamter aus Hamburg der die Edelholzbestände von Liberia kartographierensollte, pickte uns Kurzhand in seinen Jeep und wir fuhren in seinen Bungalow,
dort wurden wir von seine afrikanischen Gefährtin hervorragend bewirtete, Whisky Soda, Bier war eh verpönt, wegen des hohen Chiningehaltes. Der Gang zur Toilette riskant,
die Kupferlitzen im ganzen Haus blank verlegt, immerhin 110 Volt. Danach ging es Rund, ich erinnere mich noch vage an Wellblechhütten mit modernster Wurlitzer Musikbox,
Wisky bis zum abwinken und der Limbo unter den Bambusstangen. Meine schneeweiße Uniform war achtern rot vom afrikanischen Lehm. Wie ich an Bord gekommen bin weiß ich nicht mehr.

Auf der Heimfahrt hatten wir auf Höhe der Azoren einen Schaden in der Kamewa Verstellpropeller Maschinerie. Der Tender konnte nicht mehr manövrieren.
Wir liefen unplanmäßig in Las Palmas ein und die Schadensbehebung war sehr zeit- und kostenaufwändig (eine Story für sich) jedenfalls lagen wir lange an der Deutschen Pier in Las Palmas auch hier von den Spaniern bestens betreut,
lediglich die Senhoritas wurden von ihren Müttern schärfsten bewacht. Händchenhalten vorweg und die Mutter im 5 m Abstand immer hinterher.
Abends hatten wir MP Patrollie zu stellen.
Mit der MP Armbinde, Koppel und Pistole gingen wir am Goldstrand von Las Palmas Streife. Ein spanische MP-Jeep hält neben mir, „Du Korporal ? Nein Obermaat, ah.. dann Sergant’e“, ab sofort gingen wir nicht mehr zu Fuß
sonder zu Viert im Jeep und lernten so richtig in offiziellem Auftrag das Nachtleben von Las Palmas kennen. Bei den Wirten alles umsonst, Seemann was willst Du mehr !

Nachdem der Reparatursatz aus Schweden endlich angekommen und eingebaut war, ging die Weiterfahrt zuerst nach Lisabon, wo wir aufgrund der Verzögerung die Wehrpflichtigen loswerden mussten.
     

Dieser Eintrag stammt von Manfred Esser, Tender Rhein A58, Bordzeit: 1964

Gefunden nach 40 Jahren

Hallo, ich bekam im Neuen Jahr einen Brief von Siegfried Richter mit einer Anfrage über meine Bordzugehörigkeit auf Tender Rhein A 58, Siegfried war auch mit mir auf verschiedenen Lehrgängen,
ich war von Januar bis Ende September 1964 als ME43 an Bord. Zu meiner zusätzlichen Überraschung fand ich in der Bordliste den Kameraden Peter Pick der zur gleichen Zeit auf "Rhein" fuhr
und der seit 4 Jahrzehnten 2 Straßen weiter wohnt wie ich, ebenso lange kennen wir uns, seine Marinezugehörigkeit war mir bekannt,
aber nicht die gleiche Fahrens-Zeit auf dem gleichen Schiff über 9 Monate, ja so kann es gehen. so spielt das Leben.

Dieser Eintrag stammt von Rückert Johannes, Tender Rhein A58, Bordzeit: 1971

Ahoi, Beulen-Fahrer,

ich berichte Euch von einem denkwürdigen Erlebnis während unseres Urlaubs in Sehestedt am Nord-Ostsee-Kanal, unweit Rendsburg.

Die Nachbarin unseres Ferienhauses erzählte, dass in der Nachbarschaft ein pensionierter kath. Pfarrer wohne. Ich wollte diesen Mann treffen und so besuchte er uns.
Im Laufe des Gespräches stellte sich heraus, dass er in Eckernförde Militärpfarrer war. Ich fragte ihn, ob er denn den “Schnellboot-Hey” aus Flensburg kenne.
Zu meiner übergroßen Verwunderung waren die Herren nicht nur Kollegen, sondern sehr gut befreundet.
Hey stammte aus Düsseldorf und war nach seiner Dienstzeit als Militärpfarrer der S-Flottille ab 1980 im Erzbistum Köln tätig.
Diese Tatsache, dass wir, Hey und ich, praktisch “um`s Eck rum” lebten und nichts voneinander wussten, ist für mich besonders tragisch.
Denn ich hatte mich 1971 in Flensburg mit Hey angefreundet und im Rahmen der kath. Militärseelsorge viel mit ihm unternommen.
Von Bonn kommend traf ich ihn 1973 und 1974 in Lourdes zur Soldatenwallfahrt. Es war jedes mal ein großes Hallo!
Nach meinem Abschied von der Bw. verloren wir uns aus den Augen.
Hey lebte als Pensionär auf Fehmarn und verstarb dort 79 jährig im Januar 2014.
Auch dies ist einfach schade, da wir in der Zeit auch in SH Urlaube verbracht haben und Besuche möglich gewesen wären.

Zum Abschluss dieses denkwürdigen Treffens schenkte mir der Pensionär Pfr. Anton Koffner das Buch “50 Jahre Marinegeschichte an der Flensburger Förde.”

Die Militärseelsorge und Pfr. Hey kommen in dem Buch natürlich auch vor.
Vielleicht erinnert sich ja mancher, der zwischen 1967 und 1980 an Bord Tender Rhein war.

So, meine lieben Kameraden, nun hoffe ich, Euch mit meiner Geschichte um den ehemaligen “KaSak” der Schnellboote nicht gelangweilt zu haben.
Ich weiß natürlich, dass nicht alle Zeitgenossen mit “Kirche” all zu viel bzw. gar nichts am Hut haben.
Aber in diesem Falle war es mir eine Herzensangelegenheit, diese Rückblende in die damit verbundene schöne Zeit beim 3. SG und am Tender mit Euch direkten
Kameraden zu teilen.
Ich bin sehr gespannt, ob von Eurer Seite eine ähnliche Erinnerung vorliegt!? Kann ja sein!

Mit kameradschaftlichem Gruß und ahoi

Johannes Rückert
ehem. San-Gast Tender Rhein
,

25.07.2015

Dieser Eintrag stammt von Ralf Bannier, S-Boot Löwe, Bordzeit: 1973

Scheißhaus

Hallo Tenderfahrer, im Frühjahr 1973 waren wir/ ich auf dem S-Boot Löwe in Cherbourg, wie ihr wisst, hatten wir in unseren Booten keine einladenden Toiletten,
dafür ward ihr ja (auch) mit euerm Tender da. Also, Montagsmorgens war Abreise, ich hatte meinen E-Abschnitt schon "seeklar" u. Standprobe hatten wir Heizer auch schon hinter uns,
als ich doch noch ein dringendes Bedürfnis vernahm, meldete ich mich beim 1WO auf der Brücke zum "ordentlichen" Stuhlgang ab.
Als ich so in der "Zelle" saß, meine Micky Mäuse noch um den Hals, vernahm ich die typischen S-Bootfahrgeräusche.
Ab jetzt ging bei mir alles schneller, hat aber nichts genützt, draußen an Deck angekommen, sah ich die S-Boote davon fahren.
Was nun? , Fragte ich mich, auf eurem Tender war auch schon Hektik ausgebrochen, denn ihr wolltet auch schon ablegen.
Nach kurzer Überlegung war ich mit der Situation gar nicht so unzufrieden, denn ich dachte mir noch, : Jetzt fährst du gemütlich nach Hause,
das dauert auf dem Tender zwar etwas länger, dafür aber ausgeschlafen, ausgeruht u. frisch am Morgen geduscht.
Wie ihr sicherlich wisst, sind wir S-Boote ein 1Wachboot, d.h. keine Ablösung, wenig Schlaf. Irgendwie lachte ich mir "eins ins Fäustchen" und nur der Ordnung wegen,
meldete ich meine "Misere" den erst besten Offizier der mir über die Füße lief.
Von nun an lief wie aufn S-Boot alles ganz schnell. Das Geschwader lief aus der Bucht, dann wurde über Funk "Personalübergabe" vereinbart.
Mein Löwe legte am Tender längsseits an und ich musste auf unsere Back vom Vorschiff springen.
Natürlich gleich zum Alten auf die Brücke, der glaubte er könnte mir "einen reinwürgen", aber ich konnte ihn überzeugen, dass der 1WO gepennt hat.
Nun den Rest könnt ihr euch denken,: Ohne Ablösung, dafür früher, müde u. ungewaschen zu Hause.

09.06. 2006

Dieser Eintrag stammt von Kurt Schieke, Bordzeit: 21.08.1964 bis 01.10.1966

Übrigens: den Namen „Tender Beule“ hat unser Tender von einer rechtwinklig gegen die Pier gesetzte „harte“ Landung im Hafen von Borkum.
Damals waren Joachim Berkner und ich als Einlaufwache auf der Brücke am Maschinentelegrafen und am Ruder.
Die Befehle kamen von unserem Kommandanten Kaleu Rubahn.
Der Schmadding Hauptbootsmann Neumann hatte anschließend den Befehl, die Beule durch Farbe zu überdecken.
Er hat dann aber eine viel dunklere Farbe dafür gewählt und es sah so aus, als hätten wir über der Wasserlinie ein Bugtorpedorohr.

Gruß Kurt

Dieser Eintrag stammt von Ralf Binczyk, Bordzeit: 01.01.1976 bis 31.03.1979

Bergen (Norwegen) im Frühsommer.
Im Winter hatten wir mit Leckabwehr Kanthölzer einen Schlitten mit gut 10 Metrer länge zusammengezimmert.
Der Schlitten wurde von einem LKW innerhalb der Kaserne eine Straße Bergauf gezogen. Die Straße ging relativ steil Bergab und endete nach ca 30 Meter gerade fahrt, am Kai.
Angst kannten wir nicht und setzten uns (ca. 20 Mann) auf die Backbord- und Steuerbordseite und ab ging es. Wer dachte schon, das wir damit weit kommen würden.
Also los und das unfassbare passierte. Der Schlitten wurde immer schneller und als es auf dem geraden Stück nicht langsamer wurde, sprangen nach und nach alle vom Schlitten.
Der Schlitten schoß über die Kaimauer und durchbrach das ca. 5 Meter tiefergelegene Eis. Das war die Jungfernfahrt und auch der Untergang des Schlittens. Schade.

Liebe Grüße Ralf